Die Unternehmung «Weiß»

(Mitte Januar bis Mitte März 1943.)

 

Für diese (sie wurde von den Partisanen als «4. Offensive» bezeichnet) wurden folgende Kräfte verwendet: 1 1/2 deutsche Jäger-Divisionen (Teile der 714. und 718.), die starke 7. SS-Division «Prinz Eugen» (aus Banater und Siebenbörgener Volksdeutschen formiert), die 369. (kroatische) Infan­terie-Division, die 2. und 3. kroatische Gebirgsbrigade und 1 bis 2 Ustascha-Brigaden, in. welchen das vorher genannte Domobran-Freiwilligenregi-ment aufgegangen war.

Die Operation begann am 15. Januar mit dem Vorstoß starker Kräfte (1 V'i Div., 2 Geb.-Brig. und 1 Ustascha-Brig.) aus dem Raum Karlovac -Petrinja bei Sisak (50 km südöstlich Zagreb) - Prijedor - Banja Luka gegen Süden bzw. Südosten, um die Partisanen auf der «Petrova Gora» (südlich Karlovac), bei Bihac, auf dem ausgedehnten Grmec-Planina-Gebirge, aus den Räumen Jajce, des Beckens von Glamoc (50 km südwestlich Jajce), des Beckens von Livno (30 km südlich Glamoc) und das aus dem oberen Vrbas-Tal zu werfen und an den Neretva- (Narenta-) Fluß zu drücken. - Um deren Ausweichen in Richtung an Sarajewo vorbei zu verhindern, hatte die 718. Inf.Div. aus Sarajewo die Richtung aus Travnik sowie den Raum der Bitovnja Planina (40 km südwestlich von Sarajewo) zu sperren. Östlich der Neretva hatten im allgemeinen entlang derselben vom Ivan Sattel südwest-wärts etwa 2 Divisionen der Italiener, eine Sperrfront bildend, den weiteren Rückzug der Partisanen über diesen Fluß zu verhindern. Die Italiener hatten hiezu sogleich eine Tschetnik-Gruppe von 6000 Mann in der Prenj Planina (östlich der Neretva) bereitgestellt, denn die italienische Division «Murge» wurde schon bei Operationsbeginn nach Prozor (35 km westnordwestlich vom Ivan-Sattel), also vor die Neretva-Front, vorverlegt. Außerdem sollten italienische Kräfte aus dem Raum westlich Mostar vorstoßend in die Kämpfe westlich des Neretva-Tales eingreifen, wozu es überhaupt nicht gekommen ist. - Die Gesamtstärke der Partisanen im ganzen in Betracht kommenden Raum kann zumindest mit 5 Divisionen und 7 bis 8 selbständigen Brigaden angenommen werden. Als sich die deutsch-kroatischen Offensivaktionen aus dem Nordraum schon fühlbar machten, entschloß sich die Führung der Partisanen zu einem Gegenangriff, jedoch nicht gegen die von Nordwesten und Norden her kämpfend vordringenden kroatisch-deutschen Kräfte, sondern in entgegengesetzter Richtung nach Südosten gegen die Italiener und Tschetniks, um (wie von jugoslawischer offizieller Seite gesagt wird) «Montenegro und den Sandzak zu befreien».

 

Hiefür bildete das Oberkommando der Partisanen eine operative Gruppe aus 5 Divisionen. Von dieser bildeten 3 Divisionen die Stoßgruppen; eine derselben hatte gegen Mostar deckend das Narenta-Tal zu sichern, die zweite das von den Italienern stark besetzte Prozor anzugreifen, die dritte mit einer Brigade am Ivan-Sattel gegen Sarajewo zu decken und mit 2 Bri­gaden die Richtung aus Gor. Vakuf im oberen Vrbas-Tal zu sperren. Die hiefür bestimmte Stoßgruppe zerschlug nach dreitägigen Kämpfen bei und in Prozor die Division «Murge» total, stieß dann an das Westufer der Neretva, wo sie noch die restlichen Garnisonen der Division «Murge» aus­hob, machte 2000 Gefangene und erbeutete die gesamten Waffen samt Muni­tion dieser Division. - Die sich von Norden zurückziehenden 6 bis 7 selb­ständigen Partisanen-Brigaden hatten, um für die Aktionen der Angriffs­gruppen Zeit zu gewinnen, den Befehl, zwar Widerstand zu leisten, es je­doch nicht zu entscheidenden Kämpfen kommen zu lassen und zum Teil auch in ihre Gebiete zurückzusickern. Sie führten daher hinhaltende Ge­fechte und deckten den Rückzug. Die erste Stoßgruppe säuberte auch das Westufer der Neretva von Italienern und hatte die wesdichsten Gruppen der Partisanen heranzuziehen, darunter eine dalmatinische Brigade. Die dritte operative Gruppe, das ist die Sperrgruppe im oberen Vrbas-Tal bei Gor. Va­kuf, wurde noch durch eine der sich aus Norden zurückziehenden Divi­sionen (die 7. «Banijska») verstärkt und hatte schließlich den Raum Prozor gegen den starken Druck von Norden so lange zu halten, bis alles andere die Narenta überschritten hatte.

Die über ausgedehnte, unwegsame Waldgebirge geführten Angriffs­aktionen der kroatisch-deutschen Nordgruppen gewannen trotz aller An­strengungen infolge des hinhaltenden Widerstandes, insbesonders aber in­folge der total verschneiten Gebirgszüge, nur langsam Raum. Infolge dieses Zeitgewinns konnten die an die Neretva (Narenta) herangezogenen Teile der zuerst genannten beiden Stoßgruppen der Partisanen an die Forcierung des Überganges herantreten. Einer dahnatinischen Brigade gelang es zuerst am Orte der zerstörten Narentabrücke, beim Orte Jablanica am Neretva-Knie überraschend das Ostufer zu gewinnen, einen Brückenkopf zu bilden, denselben zu erweitern und Verstärkungen heranzuziehen. Die sich dort verteidigenden Tschetniks wurden sukzessive zurückgeworfen. Die fort­gesetzten TeilangrifFe der Partisanen zwangen die Tschetniks zum Weichen und zum Aufgeben ihres ganzen Abschnittes, worauf auch an anderen Stel­len Übergänge geschaffen wurden.

Die Sperrfront der Tschetniks an der Neretva war durchbrochen und der Weg nach Osten und Südosten offen. Es galt nur noch Zeit zu gewinnen, und dies besorgten die zwei starke Brigaden und eine schwächere Division zählende Nordgruppe der Partisanen bei und südlich von Prozor, welche gegen den starken Druck von Norden hartnäckigen Widerstand leistete, als auch eine den Raum des Ivan-Sattels abschirmende stärkere Kampf­gruppe, gegen welche ein schwächeres Detachemcnt der 718. Infanterie-Division aus Sarajewo (kaum zwei Bataillone) beim Ort Bradina süd­westlich des Ivan-Sattels nicht durchkommen konnte.

So gelang es sämtlichen an der Neretva befindlichen bzw. an den Fluß herangeschobenen Kräften der Partisanen aus dem 20 bis 25 km engen Kessel samt Verwundeten, Kranken, Gefangenen und der Beute an Waffen, wenn auch in stark angeschlagenem Zustande, auszubrechen. Und dies erfolgte um so leichter, weil von den Italienern im Neretva-Tal von Süden her kei­nerlei Einwirkung gegen die den Fluß übersetzenden Partisanen erfolgte. Im Gegenteil, die von Nordwesten auf Mostar abgeschwenkte SS-Division «Prinz Eugen» wurde dort, infolge ihres Eindringens in das italienische Be­satzungsgebiet ohne vorherige Genehmigung, aufgehalten.

Die Bewegungen der deutsch-kroatischen Kräfte zeigt schematisch die Skizze 5. Der von der 369. (kroatischen) Infanterie-Division durchquerte Raum von Petrinja bis Jablanica an der Neretva beträgt in der Luftlinie allein 260 km, in .Wirklichkeit an 400 km. - Die SS-Division «Prinz Eugen» folgte westlich gestaffelt der 369. Division. Letztere hatte die heftigsten Kämpfe im Grmec-Gebirge und bei Prozor.

Die Partisanen hatten in ihren ersten Kämpfen gegen die Nordgruppe starke, bei Prozor- besonders schwere Verluste erlitten. Nach ihren eigenen Angaben hatten sie nach dem Ausbruch aus dem Kessel an der Neretva -auch infolge Fleckfieber - nur mehr 3 operationsfähige Divisionen. Doch auch die Stoßkraft der deutsch-kroatischen Truppen war erschöpft und eine Fortsetzung der Operation nicht mehr möglich. So endete die Unter­nehmung «Weiß »am 15. März nur mit einem halben Erfolg: Die operativen Kräfte der Partisanen waren aus Nordwest-, West- und Mittelbosnicn mo­mentan vertrieben und hatten schwere Verluste erlitten, eine Vernichtung derselben war jedoch nicht gelungen.

Nach dem Abmarsch der Partisanen von der Narcnta überwanden sie bei Glavaticevo (30 km südlich Ivan-Sattel) und bei Kalinovik schwächeren

Widerstand der mittlerweile aus Montenegro verstärkten Tschctniks. - Mit zwei ncugebildeten Stoßgruppen (2 und 1 Division stark) erfolgte dann eine rastlose Verfolgung der sich nach Foca an die Drina zurückziehenden Tschetniks. Die Partisanen ließen sie nicht zur Ruhe kommen, forcierten die Hochwasser führende Drina, worauf sich die Tschetniks gänzlich nach Inner-Montenegro (Niksic) zurückzogen.

Tito hatte den ihm so beliebten Raum Foca - Dreiländerecke (Herzego­wina, Montenegro und Sandzak Novipazar) Ende März 1943 erreicht. Er hatte wiederum Zeit gewonnen, um seine Streitkräfte zu retablieren und auf­zufüllen.

 

Fedor Vitez Dragojlov;Objavljeno u švicarskom "Allgemeine Shweizerische Militar zeitschrift",Jahrgang 1956.

 

Anketa

Posljednja preuzimanja